Wie man miteinander redet – nicht

Seit der „Jim-Knopf-Saalwette“ bei Wetten, dass …? am Samstag wird in den deutschsprachigen Medien einmal mehr intensiv über Rassismus debattiert, auch in der Blogosphäre oder Social Networks wie Twitter. Wie so oft sind wir Piraten mittendrin und verteilt auf beide Seiten der Debatte. Leider erneut inklusive übelster Beschimpfungen, Mobbingvorwürfe und bisher mindestens einen mehr oder weniger prominenten Parteiaustritt. Wer nicht weiß worum es geht:

(Die später zitierten Passagen ab 08:25; die verkleideten Paare ab 2:37:30)

 

I. Verbale Massenvernichtungswaffen

Mir geht es in diesem Text weniger um die Frage, ob die Saalwette nun rassistisch ist oder nicht (dazu am Schluss einige Anmerkungen). Mir geht es um die Art, wie hier und bei ähnlichen Gelegenheiten immer wieder „diskutiert“ wird (die Anführungsstriche sind Absicht, denn mit ernsthaften Diskussionen hat das meist wenig zu tun). Weiterlesen

Kernies vs. Vollies reloaded

Deutsche_Pomologie_-_Aepfel_-_079Gestern war es mal wieder soweit: Ich öffne mein Mailfach und eine deutlich höhere Flut an Mails als sonst bricht über mich herein. „Oh je, schon wieder irgendein Zoff!“, denke ich mir. – Aber ganz so schlimm war es gar nicht. Nur die beliebte Debatte Kernies-gegen-Vollies erfuhr auf der Mailingliste der Aktiven Niedersachsen ihre x-te Auflage. Mir kommt es inzwischen so vor, als hätte ich alle Argumente schon zigmal gehört – inklusive meiner eigenen. Ich verstehe ehrlich nicht, warum sich diese Debatte derartig im Kreis dreht – und wie so oft fühle ich mich mit meiner eigenen Position zwischen allen Stühlen. Aber sei es drum: Da ich meine Meinung zum Thema Programm zwar schon mehrfach kundgetan habe, aber noch nicht niedergeschrieben, nutze ich die Gelegenheit, um meine Gedanken hier einmal zu verbloggen.

Einerseits –

sollte doch inzwischen offensichtlich sein: Es war falsch, sich vom „Die-haben-kein-Programm“-Gerede kirre machen zu lassen und unser Programm wie wild in alle Richtungen zu überdehnen. Vor allem, dass dies vielfach durch raubmordkopieren bei anderen Parteien geschah, war völlig blödsinnig: Weiterlesen

Quoten, Zahlen und Vorannahmen

In der Auseinandersetzung um die Quote hat es inzwischen eine ganze Reihe von Blogposts gegeben. Einige Aufmerksamkeit erhielten in den letzten beiden Tagen die beiden schon etwas älteren ganz mathematisch nüchtern daherkommenden Beiträge von „Opa Hans“ (Teil 1, Teil 2), der die Quote aus Qualitätsgründen befürwortet: Eine Frauenquote würde zu kompetenteren gewählten Kandidaten führen. Heute erschien bereits eine ebenfalls sehr mathematische Kritik hierauf von andersch. Das Folgende ist ebenfalls eine – weniger mathematische – Replik auf Opa Hans.

Mit den falschen (oder richtigen, je nach Standpunkt) Vorannahmen lässt sich alles beweisen.  Weiterlesen

Die Sache mit den Kompromissen

I. Miteinander reden …
Nach dem Wahltag wurde viel geschrieben, viel Gutes. Ich habe mich am verbloggen der Wahlanalysen nicht beteiligt, weil ich erst mal in Ruhe nachdenken wollte. Und als ich dann „soweit“ war, hatten schon viele andere mehr oder weniger meine Gedanken aufgeschrieben – ich wollte nicht derjenige sein, der alles noch einmal sagt, nur damit er es auch selbst gesagt hat. Am besten gefallen hat mir die Wahlanalyse von Pavel Mayer und diese Debatte (Video).

Ein Aspekt in allen Analysen, der immer wieder durchscheint, ist der Wunsch nach und die Notwendigkeit zu einem konstruktiveren Umgang miteinander und mit Konflikten. So überschreibt Fabio Reinhard den zweiten Teil seiner dreiteiligen Wahlanalyse mit der Aufforderung „Don’t be compromised, compromise!“ (Warum er das nicht – niederschwelliger – auf deutsch schreiben kann, bleibt sein Geheimnis, tut aber auch nicht viel zur Sache.) Auch auf der „Wir müssen reden“-Veranstaltung am vergangenem Wochenende stand „Kommunikation“ ganz groß im Mittelpunkt. (Link zu einem Notizzettel zur Gruppe „Kommunikationsstil“, der über Twitter ging. Ich wollte gerne hin, war aber leider „zu tief im Westen“ und damit zu teuer für mich.) Weiterlesen

Wahlaufruf zur BTW13

Bundestagswahl-Wahlzettel-20131

Am kommenden Sonntag ist Bundestagswahl und es ist die Zeit der Wahlaufrufe. Überall sieht und hört man Politiker, die mit erhobenen Zeigefinger die Bürger über die Wichtigkeit der Wahlen für unsere Demokratie belehren und zum Wählen aufrufen.

Mir fällt das schwer. Ich denke:
Jeder ernstzunehmende Aufruf für höhere Wahlbeteiligung richtet sich in erster Linie an uns Politiker selbst, endlich wieder wählbare Politik anzubieten! Weiterlesen

Fragen der MANNdat Wahlaktion zu Gleichberechtigung

Ahoi,

die ziemlich umstrittene „Geschlechterpolitische Initiative“ MANNDat hat eine Wahlaktion durchgeführt, mit der sie Bürger auffordert, den Bundestagskandidaten der jeweiligen Wahlbezirke anhand eines Fragebogens einige Fragen zum Thema Gleichberechtigung zu stellen. Ich will (und kann) an dieser Stelle nicht weiter zu den Details der politischen Bewertung von Manndat Stellung beziehen, aber ich trete für einen umfassenden Gleichberechtigungbegriff ein. Die Wahlprüfsteine von Manndat sind es mir jedenfalls wert, beantwortet zu werden.

3 Fragen von Amnesty International

Hier einige Wahlprüfsteine, die mir die Amnesty International (ai) Ortsgruppe Göttingen vorgelegt hat zusammen mit meinen Antworten:

Frage 1: Asylpolitik
Derzeit gelten in Deutschland über 85.000 Menschen als „geduldet“. Es handelt sich um Asylbewerberinnen und Asylbewerber, von denen fast 40.000 schon seit über sechs Jahren hier leben. Der ständige Gedanke, bald zur Ausreise aufgefordert zu werden und deshalb nie weit im Voraus planen zu können, gehört zu ihrem Alltag. Die Aufnahme von Arbeit ist ihnen meist nicht (und falls doch, dann nur unter großen Schwierigkeiten) möglich, ihr Ansehen ist schlecht und finanzielle Mittel sind kaum vorhanden.

Was würden Sie tun, um diese Situation zu verbessern? Weiterlesen