Wasserkraft nutzen – Klimaschutzkonzept des Landkreises Göttingen nicht nachvollziehbar

Der KV Göttingen der Piratenpartei hat eine Pressemitteilung zum Klimaschutzkonzept des Landkreises herausgegeben, in der auch ich zitiert werde:

 

Der Kreisverband Göttingen der Piratenpartei stellt sich kritisch gegen die im Rahmen der Mündener Auftaktveranstaltung zum Klimaschutzkonzept getroffene Einschätzung von Landrat Reuter zur Zukunft der Wasserkraft im Landkreis Göttingen.

Am 29.05.2013 berichtete die Mündener Allgemeine, dass von Seiten des Landrats der Wasserkraft „kein großes Potenzial“ zugeschrieben werde. Angeführt wurden hier „sowohl ökologische als auch ökonomische Gründe“. Diese Einschätzung, so die Mündener Allgemeine weiter, stünde aber im „krassen Gegensatz“ zu einer entsprechenden „Wasserkraftpotenzialstudie der Technischen Universität (TU) Braunschweig“. [1]

Angesichts dieser widersprechenden Studie ist die Einschätzung des Landrats für die PIRATEN nicht nachvollziehbar. Noch Ende 2011 kam der damalige Landrat Schermann zur gegenteiligen Einschätzung: Demnach könne die Wasserkraft in der Region einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. [3][4] Anstatt aber die Arbeitsgruppe für Regenerative Energie der TU Braunschweig mit in das Konzept einzubeziehen, werden die Erkenntnisse der Studie vom neuen Landrat überhaupt nicht thematisiert. »Warum das Angebot der TU Braunschweig, am Klimaschutzkonzept mitzuarbeiten, bisher ignoriert wurde, ist völlig unverständlich«, meint Niels-Arne Münch, Bundestagskandidat der Piratenpartei im Wahlkreis 53, Göttingen. »Wir müssen sämtliche Möglichkeiten des Ausbaus regenerativer Energien im Landkreis berücksichtigen und dürfen nicht voreilig wichtige und zukunftsträchtige Technologien ausschließen.«

Unbeantwortet bleibt auch die Frage, welche ökologischen Gründe der Wasserkraft widersprechen würden, und auf welche Fakten der Landrat sich hierbei beruft. Wasserkraft wurde seit alters her im Kreis genutzt. Das zeigen die vielen Standorte ehemaliger Wassermühlen in zahlreichen Ortslagen des Kreises. »Bei den an der Technischen Universität Braunschweig entworfenen, modernen Hochleistungswasserrädern handelt es sich um Weiterentwicklungen der historisch in den Mühlen eingesetzten Wasserräder. Sie sind weitaus umweltfreundlicher als die heute eingesetzten Turbinen«, erklärt Andreas Schelper, Kreistagsabgeordneter der Piratenpartei. Das Potential der Wasserkraft werde erheblich unterschätzt, da sie sowohl effiziente Stromerzeugung ermöglicht, als auch wesentlich höhere Akzeptanz in der Bevölkerung genießt – insbesondere im Vergleich zur Windkraft.

Darüber hinaus ist die einseitige Bevorzugung einzelner Energiegewinnungsarten und der Verzicht auf eine vielversprechende Technologie kurzsichtig. Dem Errichten von Windkraftanlagen sind im Landkreis enge Grenzen gesetzt [2], der Widerstand in der Bevölkerung bereits jetzt erheblich. Gerade die Windenergie birgt Konfliktpotenzial aufgrund von Schattenwurf (Discoeffekt), Geräuschemissionen, Naturschutz (Rotmilan, Fledermäuse) und Veränderungen im Landschaftsbild. Ein exklusiver Vorteil der Wasserkraft ist dagegen die Stabilität der Energieproduktion (Volllaststunden) gegenüber wetterabhängigen Formen wie Windkraft und Photovoltaik. Nach Ansicht der Piratenpartei muss eine zukunftsträchtige Klimaschutzpolitik auf einen ausgewogenen Mix mehrerer regenerativer Technologien setzen.

[1] http://www.hna.de/lokales/hann-muenden/klimaschutz-klammert-wasserkraft-2928769.html
[2] http://www.piratenpartei-goettingen.de/piratenplanet/windkraft-im-regionalen-raumordnungsprogramm-rrop-8816#more-8816
[3] http://www.hna.de/lokales/hann-muenden/wasserkraft-grossem-potenzial-muenden-1475525.html
[4] http://www.landkreisgoettingen.de/magazin/artikel.php?artikel=3746&type=0&menuid=77&topmenu=1&date=2011-10-31

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