GEMA, GEZ, Urheberrecht und Täää-Täää, tä, tä, tä, Täää

Heute mal ein bizarres kleines Detail zum Urheberrecht und zur GEMA.

Einige werden es mitbekommen haben, andere nicht: Die bekannte Fanfare der „Tagesschau“ soll sich in einigen Wochen ändern. Nachdem die Bild vor einigen Wochen berichtet hatte, es hieße „Abschied nehmen“ von den bekannten 6 Tönen, war eine kleine Protestwelle ausgebrochen und die ARD wiegelte umgehend ab: Die Melodie würde nur „vorsichtig modernisiert“. Trotzdem meldete sich die Witwe des Komponisten Hans Carste zu Wort, sie fürchte eine „Ehrverletzung“ ihres verstorbenen Mannes und jede Bearbeitung sei nur mit ihrer Zustimmung möglich. Die GEMA springt ihr bei: Sollte Sieglinde Carste die Rechtsnachfolgerin ihres Mannes sein, liegen laut einem GEMA-Sprecher alle Rechte an der Melodie für 70 Jahre, gerechnet vom Todeszeitpunkt, bei ihr. Das beinhalte auch Einspruchsrechte, was Veränderungen angehe.

Soweit, so gut. Doch vermutlich geht es der Witwe nicht nur um die ‚Ehre‘ ihres verstorbenen Mannes: Für die 6-Töne zu Beginn der Tagesschau überweist die GEMA ihr nämlich monatlich einen 4-stelligen Betrag – seit über 40 Jahren, Hans Carste verstarb nämlich schon 1971! Der Scheck ist nun – neben der „Ehre“ – auch in Gefahr. Es droht ein Rechtsstreit: Ist die neue Melodie nun tatsächlich neu, oder doch eher ein ‚Remix‘? Wieviel Anteil steht der Witwe dann zu? Und was bekommt Henning Lohner, der Komponist, der im Auftrag der ARD die Neufassung geschrieben hat?

Neben der Frage, wie hier mit den Gebühren der Fernsehzuschauer umgegangen wird – monatlich 4-stellig für 6-Töne um acht Uhr!? Seit insgesamt über 55 Jahren!? – birgt die Sache ein weiteres pikantes Detail: Die sechs Töne wurden in der Vergangenheit bereits viermal überarbeitet: Schon bei der ersten für die Tagesschau verwendeten Aufnahme hatte der Musiker Rolf Kühn 1952 Änderungen vorgenommen. Es folgten Änderungen in den Jahren 1994, 1997 und zuletzt 2005. Doch bei der Gema sind bis dato keine Bearbeiter eingetragen, obwohl die Verwertungsgesellschaft dies in anderen Fällen bereits bei bloßen Coverversionen tat. Auf Nachfrage von telepolis hieß es, es komme immer auf den Einzelfall an und man könne nichts genaues sagen. Bereits Ende der 60er Jahre gab es „Zoff“, weil Rolf Kühn erfolglos seine „Mitkomponistenschaft“ gegen Hans Carste gerichtlich durchsetzen wollte.

Ob es da irgendeine Rolle spielt, dass der Komponist damals ausgerechnet Aufsichtsratsvorsitzender der GEMA war und mit der Tagesschau-Fanfare ein kleines Vermögen machte?, fragt sich etwa die Nürnberger Zeitung. Ein Schelm, wer sowas denkt.
Achja: Lange vor seiner Zeit bei der GEMA war Filmkomponist Carste 1933 wenige Wochen nach Hitlers Machtübernahme in die NSDAP eingetreten, was der Vielzahl von Filmmusiken aus seiner Feder während der Nazidiktatur sicher geholfen haben dürfte. Die Tagesschau-Fanfare entstand denn auch noch, wie Daniel Leisegang in den „Bättern“(1) bemerkt, im Gefolge des „Blitzkriegs“: Carste komponierte sie als Teil eines längeren Stücks in einem russischen Kriegsgefangenenlager. Sieglinde Carste, heute 74, die an den 6 Tönen seit über 40 Jahren so trefflich verdient, war damals noch keine 10 Jahre alt und dürfte ihren rund 30 Jahre älteren Mann erst viele Jahre später kennengelernt haben.

Nur mal so: Wäre es nicht eine Idee für unsere Musikpiraten, eine neue Fanfare für die Tagesschau zu komponieren und unter CC-Lizenz anzubieten? Stichwort Gebührensparen bei den öffentlich-rechtlichen und so?

(1) Daniel Leisegang, „Taa-taa, ta ta ta taa“, Blätter für Deutsche und Interationale Politik 10/2012, S. 119

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